Karibu!

Karibu!

Gut, dass du in meiner Nähe bist!

Gut, dass du in meiner Nähe bist!

Getreu dem Auftrag von der Lebensgemeinschaft der Aids-Waisen-Kinder von Itete wollen wir „ERZÄHLEN, DASS ES SIE GIBT!“
Dialog mit Itete

Dialog mit Itete

„Gut, dass du in meiner Nähe bist“ – heißt auch: gut, dass du mit mir in Dialog treten willst. Es gibt viel auszutauschen und vieles zu lernen von einander und miteinander.

Zugfahrt nach Ifakara

Heute ist es uns gelungen, zwei Plätze im Zug nach Ifakara  in der zweiten Klasse zu bekommen. Der Zug ist bis auf den letzten Sitz gefüllt. Ich bin fasziniert von der Buntheit und dem Leben in unserem Waggon. Da sind viele Familien, fast die Hälfte der Passagiere sind Kinder und Jugendliche. Mir kommt vor, die Menschen leben hier verbundener und irgendwie auch lebendiger, als ich das bei uns in einem Zugabteil erlebe. Obwohl der Zug außer mit Menschen auch noch mit unglaublich viel Gepäck unter den Sitzen und in den Gepäckfächern vollgestopft ist und ständig improvisiert wird, haben wir eine gute Stimmung auf dieser Reise. Wir sind die einzigen Wazungu (Weißen) unter 80 Menschen in unserem Abteil, und es wird deutlich, dass hier Menschen mit unterschiedlichen Dialekten aus unterschiedlichen Tribes reisen. Da sind so viele Kinder, bunte und schöne Menschen, die, wie alle, das Schöne auch leben wollen. Es ergibt sich im Waggon eine wohltuende Sicherheit des miteinander unterwegs Seins und füreinander Sorgens.

Am Ausgang des Zugabteils ist ein großes Plakat montiert mit folgender Botschaft:

“SAFETY BEGINS WITH OUR ATTITUDE!

ALWAYS BE CAREFUL“

…und Sicherheit benötigen wir alle, zu beiden Seiten des Äquators. „Being careful“ lässt sich unterschiedlich übersetzen, voller Sorge, auch Fürsorge sein, eben careful, oder auch vorsichtig sein, achtsam, mit mir selbst, aber auch mit den Menschen und dem Lebendigen um mich, mit Menschen, Tieren und unserer Umwelt. Diese Haltung ermöglicht Begegnungen, bei denen wir uns sicher fühlen, daraus kann Vertrauen entstehen und letztlich jene Verbundenheit, die notwendig ist, wörtlich „Not wendend”, um auf dieser, immer unsicherer werdenden Welt, Entwicklung zu ermöglichen, gemeinsam zu gestalten.

Aktuell sind wir alle schockiert von den zunehmend brutalen Konflikten weltweit, von einer expandierenden Rüstungsindustrie, von selbstgemachten ökologischen Katastrophen, von zunehmend autoritären, faschistischen, rechtsradikalen Systemen, die demokratische Grundregeln in Frage stellen und von vielen Politikern, die zunehmend in ihren Auftritten von social media und von internationalen Konzernen abhängig sind. Welche Haltung (attitude) braucht es, als Gegengewicht zu dieser bedrohlichen Entwicklung?

Diese Zeilen schreibend sitze ich einer jungen afrikanischen Mutter und ihrer circa dreijährigen Tochter gegenüber. Beide sind so unfassbar schön in ihrer Ausstrahlung, wie sie sich bewegen, wie sie miteinander verbunden sind, wie sie einander während dieser nicht unanstrengenden Zugfahrt berühren, lachen, essen, wie sie letztlich irgendwann umschlungen einschlafen.  Ich wage es nicht, die beiden zu fotografieren, ich tu es mit meinen Augen und mit meinem Herzen. Diese beiden, in ihrer ganzen Ausstrahlung so schönen Menschen leben genau jene Haltung, um die es auch gehen kann, die wir brauchen. Von beiden fühle ich mich in ihrer Seelenschönheit dankbar beschenkt. Sie werden nicht die oben beschriebenen globalen Herausforderungen, Bedrohungen und Ungerechtigkeiten lösen können, oder vielleicht doch, wie ich sie soeben in ihrer Verbundenheit erleben darf, in dem Lebensraum, den sie in ihrer Einzigartigkeit und Liebe füreinander beleben.

Für die beiden bin ich längst ein Babu, könnte der Vater dieser jungen Frau und somit auch der Großvater des Mädchens sein, und unverzüglich kommen mir meine eigenen Kinder und Enkelkinder in den Sinn. Auch sie bringen dieses schöne und liebevolle Miteinander in die Welt, so wie jene Mutter und Tochter, die Alex und mir in über acht Stunden Zugfahrt nahe gegenübersitzen. Zirka 7000 km trennen meine Enkelkinder von diesem Mädchen, dessen Namen ich nicht kenne. Diese jungen Menschenwesen haben Zukunft, sie werden gestalten, sie werden Antworten finden auf viele Fragen und jene Haltung leben, die es braucht, um wieder Lebensraume zu gestalten, zu beleben.

Die Eltern und wir, die Babus und Bibis, können diese Haltung des “being careful” leben, vorleben, mit Kindern und Kindeskindern und Freunden, wir können sichere Räume gestalten und dafür Ermöglicher sein, “careful” mit uns sein, mit den Menschen um uns und mit dem Schönen und Lebendigen, das uns umgibt.  

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